FSK: ab 6 Jahre
Eine Frau zwischen zwei Welten Die Frau weint. Sie weint am Mittag, im Café. Sie weint am Abend noch immer, am Straßenrand. Und das in einer Komödie. Dann nimmt die Frau ein Buch in die Hand. Und auf der Heimfahrt im Bus, noch immer in die Lektüre vertieft, beginnt die Frau zu schweben: ganz im Wortsinn, einen halben Meter über dem Sitz.
Es ist nicht das erste Mal in diesem Film, dass sich Odette Toulemonde der Schwerkraft entzieht und den Weg nach oben sucht, himmelwärts. Doch eigentlich ist Odette eine ganz normale Frau. Wie ihr Nachname schon sagt: Toulemonde, wie jedermann. Frau Jedermann arbeitet als Verkäuferin in der Kosmetikabteilung eines Kaufhauses. Ihr Mann ist vor einigen Jahren gestorben, die beiden erwachsenen Kinder wohnen noch zu Hause: Rudy, der schwule Friseur mit seinen ständig wechselnden Bettgenossen, und Sue Helen, die arbeitslos rumhängt mit ihrem Freund. Der ist in der engen Wohnung einer zu viel.

Aber Frau Jedermann ist gar nicht Frau Jedermann, jedenfalls nicht nur. Sie ist irgendwie anders. Nicht allein, weil sie fliegen kann. Frau Jedermann lebt in zwei Welten, zwischen denen sie mühelos hin- und herschwebt. Wenn um sie herum das Alltagschaos tost, dann versprüht sie ungekünstelte Lebensfreude und hat für jeden das richtige Wort. Odette meistert ihr Schicksal dank der Kraft der Poesie, verkörpert in ihrem Lieblingsschriftseller Balthazar Balsan.
Und weil der Film märchenhafte Züge trägt, steht der erfolgsverwöhnte Autor plötzlich vor der Tür der einfachen Verkäuferin. Das kommt so: Odette fährt zum ersten Mal zu einer Signierstunde. Sie möchte dem Mann, der ihr Leben verzaubert, so viel sagen, bringt aber nicht mal ihren Namen raus. Also schreibt sie ihm einen Brief. Den öffnet der gut aussehende Literat just im Augenblick einer existenziellen Krise. Von der Kritik als Kitschautor geschmäht, von der Ehefrau mit seinem ärgsten Feind betrogen, flieht er nach einem Selbstmordversuch aus der Psychiatrie und weiß nicht wohin. Damit gehen die Verwicklungen und Umschwünge erst richtig los, schließlich befinden wir uns mitten in einer Komödie.